FOHLEN STATT KINDER

Selbst für einen Fan eine schwere Entscheidung. Aber schliesslich siegte die Liebe zur Borussia. Andi Schröder aus der Schweiz verzichtet auf Kinder, um seinen Gladbachern immer nah sein zu können. Seine Frau unterstützt ihn.

VON ANDREAS BÖNI

Wäre meine liebe Frau Biggi nicht Gladbach Fan, ich hätte sie nie geheiratet, sagt Andi Schröder (40). Wahrscheinlich hätte ihn auch keine andere zum Mann genommen. Denn Schröder ist parallel auch in die Borussla vernarrt. Und wie!

Für jedes Heimspiel legt er mit seinem alten Nissan, der schon 270’000 Kilometer auf dem Tacho stehen hat, 1300 Kilometer zurück. Schröder ist Schweizer und wohnt in Wattwil (Kanton St. Gallen). Dort ist er Chef einer Kfz-Werkstatt und eines Reifenhauses. »Hätte ich nicht mein eigenes Geschäft, wären wir schon lange nach Mönchengladbach gezogen«, sagt er.

Andi und Biggi vor ihrem Heim in Wattwil

Wie wird ausgerechnet ein Schweizer, den normalerweise Devisenkurse mehr interessieren als die Bundesliga, zum Fan von Borussia Mönchengladbach? Schröder erklärt das so: »Als ich fünf Jahre alt war, stand Wolfgang Kleff bei Borussia im Tor. Den habe ich bewundert. Ich wollte auch Torhüter werden, das faszinierte mich. Da hat's mich gepackt.« Noch heute eifert Schröder seinem Idol nach, steht beim FC Bütschwil im Tor der Senioren.
Sein Vater Rolf hoffte lange, dass die Leidenschaft für die Borussia irgendwann abkühlt. Noch heute kann er seinen Sohn nicht so richtig verstehen. Aber er hat sich damit abgefunden und sagt :« Ich kann's halt nicht ändern.« So springt der Papa im familieneigenen Betrieb immer wieder in die Bresche, wenn der Sohn seine Borussia besucht. Das macht er schon seit 1982. Andi Schröder: »Damals war ich gerade 18, hatte einen Lehrlingslohn und konnte damit endlich regelmäßig nach Gladbach fahren.« Seine Frau Brigitte (45) ist Deutsche. Natürlich aus Mönchengladbach. Eine echte Fan-Liebe. »Ich lernte sie beim Pokalfinale 1995 in Berlin kennen. Wir gewannen 3:0
gegen Wolfsburg. Ich war mit Freunden da, sie mit anderen Fans. Später trafen wir uns mal in Gladbach, mal bei Auswärtsspielen. Und irgendwann hat's richtig gefunkt.«
Aber erst mussten einige Probleme gelöst werden. Brigitte war bei der Stadt Mönchengladbach beschäftigt, hatte als Schwimmmeisterin einen prima Job. Die Firma aber hatte ihren Sitz ja in der Alpenrepublik. »Den Betrieb kann ich nicht aufgeben», sagte ich zu ihr. Schließlich gab die Freundin nach, zog zu ihm in die Schweiz.

Schwerer fiel die Entscheidung in punkto Familienplanung. »Wir haben lange diskutiert: ein Kind oder die Borussia. Beides zusammen, das war finanziell für uns nicht drin, da wir ein Haus bauten. Wir haben uns entschieden - für die Borussia.«  Damit blieben Andi Schröder auch böse Überraschungen erspart. Erst kürzlich berichtete ihm ein Kollege, ebenfalls Gladbach-Fan, erschüttert von seinem Sohn. »Der Kleine ist Bayern-Fan.< Schröder schmunzelt und sagt: »Das gäbe es bei mir nicht. Den würde ich enterben.« Kein Kind, aber dafür konnte sich das Ehepaar Schröder den Traum vom eigenen Haus verwirklichen. Für Schröder keine Frage: >>Natürlich musste es vollkommen auf Gladbach ausgerichtet sein.«

Das sieht nun so aus: Vor dem Gebäude steht eine Gladbach-Raute aus Marmor, im Flur liegt ein überdimensionaler Gladbach-Teppich. Innen ließ Schröder Holzwände ziehen - >>damit ich Poster der Mannschaft an die Wände tackern kann.

28 Partien (darunter alle Heimspiele) hat Schröder vergangene Saison gesehen, seine Frau sogar 29. Da beide so oft in Gladbach sind, hat sich das Paar dort eine Wohnung zugelegt. 55 Quadratmeter, nicht weit vom Stadion entfernt, für 400 Euro Miete. Für Andi eine sinnvolle lnvestition: <<Für ein Hotel würde ich mehr zahlen. Außerdem konnten wir Biggis Möbel reinstellen.« Zum Spiel fahrt er mit Kutte und einer Fahne mit Schweizer Kreuz. Dass manchmal Menschen daran Anstoß nehmen, ärgert ihn: >>Die halten Kuttenträger für schlichte Zeitgenossen.« Ein Gedanke, den er Ex-Trainer Ewald Lienen unterstellt. >>Der feuerte uns an und drehte sich dann abrupt um. Ich bin sicher: Der hat jedes Mal gedacht, dass wir doch alle Idioten sind.«
Inzwischen hat Schröder einen Fanklub gegründet, den >>Borussia Fanclub Schweiz«. 37 Mitglieder zählt er derzeit, und eine eigene Homepage gibt es natürlich auch schon (www.vfl-borussia.ch).
Ein Traum ist aber noch unerfüllt. >>lch möchte am liebsten Profi-Fan werden, meine Borussia überall hin begleiten.« Davon muss er aber erst noch Papa Rolf überzeugen.

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Erinnerungen an Grümpeli Ebnat - Kappel